System Thinking
Querdenken mit System

Quellen

Hier einige Tipps für alle, die sich intensiver mit dem Systemdenken befassen wollen. Dies ist eine rein persönliche Auswahl. Mein großer Dank an alle Vor- Nach- und Systemdenker für eure Inspiration und Bereicherung!


Videos

Hier ein paar interessante Videos, die aus ganz unterschiedlichen Perspektiven etwas über Systeme vermitteln.


Systemdenken 1: Dieses Video einer ungarischen Designergruppe bietet eine kurze (4:45), aber wirklich charmante Einführung in die wichtigsten Konzepte des Systemdenkens, verpackt in eine kreativ animierte Geschichte von der ersten Liebe bis zur Kindererziehung. Das Projekt wurde von Pionieren des Systemdenkens wie Dennis Meadows inspiriert und unterstützt.


Vertrauen: Simon Sinek, bekannt durch die "why-how-what" Formel, spricht in diesem  inspirierenden TED Talk (17 Min.) über das, was jede menschliche Gruppe (Familien, Nachbarschaften, Firmen, Nationen, Religionen ...) im Innersten verbindet: "they believe, what we believe." Das Vertrauen in gemeinsame Überzeugungen oder Werte ist der Konsens, der jedes soziale System zusammenhält.


Ökologie: 70 Jahre lang waren Wölfe im Yellowstone Nationalpark ausgerottet. 1995 wurden wieder einige Tiere dort angesiedelt. Das vom britischen Öko-Journalisten Georges Monbiot wunderbar erzählte Video (4:30) zeigt, wie eine einzige Intervention in das Ökosystem nicht nur die örtliche Tier- und Pflanzenwelt wesentlich bereichert, sondern inzwischen sogar den Lauf von Flüssen verändert hat.

 

Gesellschaft: Während Deutschland über Diesel-Fahrverbote und blaue Plaketten diskutiert, hat Stockholm sein Verkehrssystem über eine City-Maut in den Griff bekommen. Verkehrsplaner Jonas Eliasson erklärt in diesem unterhaltsamen TED Talk (8:30), warum die Stockholmer Bevölkerung damit kein Problem hat.

 

Kognition: Der britische Neurowissenschaftler Anil Seth zeugt in diesem Video (17:00) sehr anschaulich, wie sich unser Gehirn seine eigene Wirklichkeit erschafft. Die Realität als permanente Halluzination? Klingt strange,  ist aber eine erstklassige Zusammenfassung, wie unser Denken eigentlich funktioniert.

 

Change: Der Organisationspsychologe Peter Kruse, einer der einflussreichsten Systemdenker Deutschlands und ein Pionier der Schwarmintelligenz, ist leider 2015 viel zu früh verstorben. Ich hatte das große Privileg, mehrere Forschungsprojekte mit ihm und seinem Unternehmen zu realisieren. In diesem Video (6:00) geht es um die wahren Herausforderungen bei unternehmerischen Veränderungsprozessen.

Auch klasse: Seine Ausführungen, wie Menschen auf wachsende Komplexität reagieren und wie man in Märkten und anderen sozialen Systemen Resonanz erzeugen kann. 


Systemdenken 2:  Peter Senge, einer der Pioniere des SystemsThinking, spannt in diesem Vortragsvideo (41:30) den ganz großen Bogen von den ersten Anfängen am MIT in den 1950er Jahren bis zur heutigen Bedeutung des Systemdenkens in einer digitalen Welt.





Systemdenken / System Dynamics

Donella H. Meadows. Die Grenzen des Denkens. Dies Buch ist nach meiner Ansicht die beste Quelle der Inspiration und Information über Systemdenken. Leicht zu lesen, aber viel zu denken. Leider ist Donella Meadows 2001 gestorben. Sie war Co-Autorin des Öko-Klassikers „Die Grenzen des Wachstums“ und ist vor allem in den USA bis heute eine der einflussreichsten Systemdenkerinnnen. Die deutsche Ausgabe ist vergriffen, aber noch als eBook im Buchhandel erhältlich. Über Amazon ist nur das Original erhältlich: Thinking in Systems.

Peter M. Senge. Die fünfte Disziplin. Peter M. Senge lehrte an der Sloan School of Management des MIT. Er hat die Erkenntnisse der Systemforschung auf die Organisationsentwicklung übertragen. Das weltweit beachtete Buch ist ein Plädoyer für die „lernende Organisation“, die insgesamt fünf Disziplinen beherrschen soll. Das Systemdenken ist die "fünfte Disziplin", die alles andere verbindet. Er hat die Systemarchetypen erforscht und eingeführt. 

Hartmut Bossel: Systeme, Dynamik, Simulation. Wer sich für die Modellierung und Computersimulation von Systemen interessiert, findet hier eine fundierte Einführung in den quantitativen Bereich der Systemdynamik. Um das  zu genießen, sollte man Spaß an Simulationen und keine Angst vor etwas Mathematik haben. Dann aber kann das Thema leicht Sucht erzeugen, vor allem in Verbindung mit dem dreibändigen Systemzoo, einer Sammlung von 100 Simulationsmodellen, die man mit geeigneter Freeware am eigenen PC zum Leben erwecken kann.

Fritz B. Simon: Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus. Wenn man  das schmale Buch mit gut 100 Seiten durchgearbeitet hat, versteht man die enorme Bedeutung dieses Theoriegebäudes (und kann die durchaus anspruchsvolle Lektüre seiner Vordenker wie Bateson, Luhmann oder Maturana ohne schlechtes Gewissen auf einen geeigneten Zeitpunkt verschieben). Auch interessant: Sein Buch Einführung in die systemische Organisationstheorie.

 

Kognitionspsychologie / Verhaltensökonomie / Entscheidungstheorien

Dietrich Dörner: Die Logik des Misslingens – Strategisches Denken in komplexen Situationen. Der renommierte Kognitionspsychologe zeigt, warum Menschen in komplexen Situationen oft fehlerhafte Entscheidungen treffen. Eine große Hilfe für Politiker, Manager, Kapitäne und Projektleiter, die weitreichende Entscheidungen treffen müssen, aber keine Zeit und wenige Informationen haben.

Nassim Nicholas Taleb: Der Schwarze Schwan und Narren des Zufalls. Der Broker, Essayist und Skeptiker Taleb war einer der ersten, der den Börsencrash 2008 medientauglich erklären konnte: Selbst hochbezahlte Broker und Finanzmathematiker können nicht richtig mit Wahrscheinlichkeiten umgehen. Seine Gedanken zur unterschätzten Rolle des Zufalls sind ebenso unterhaltsam wie erhellend.

Gerd Gigerenzer: Bauchentscheidungen – Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition und Risiko! Wie man die richtigen Entscheidungen trifft. Während die Nobelpreisträger Kahneman, Tversky und Thaler das unbewusste Denken eher unter dem Aspekt der Denkfehler betrachten, plädiert der deutsche Psychologe und Bildungsforscher Gerd Gigerenzer ebenso fundiert wie leidenschaftlich dafür, dass wir unserer Intuition vertrauen und sie gezielt verbessern sollten, weil wir in einer ungewissen Welt ohne intuitive Intelligenz völlig aufgeschmissen wären.

David Pinker: Wie das Denken im Kopf entsteht. Auch ich dachte lange, dass der menschliche Geist doch etwas Einmaliges sein muss und unsere Kultur über dem profanen "survival of the fittest" der natürlichen Selektion steht. Wirklich? Dieses lesenswerte, wenn auch umstrittene Buch erklärt das Denken, indem es auf virtuose Art Konzepte der Kognitionsforschung, Evolutionsbiologie und Computertheorie verknüpft.  Ich finde die Perspektive der Evolutionspsychologie sehr hilfreich, um das Wesen des Denkens, der Intuition und der Emotionen besser zu verstehen.    

Daniel Kahneman: Schnelles Denken, langsames Denken. Der Klassiker der Verhaltensökonomie: Dem Psychologie-Professor Kahneman wurde 2002 der Wirtschafts-Nobelpreis verliehen, weil er unzählige Heuristiken und kognitive Verzerrungen nachgewiesen hat – typische Denkfehler selbst klügster Menschen. Damit hat er das Konzept des „Homo Oeconomicus“ endlich vom Thron gestoßen. 

Daniel Goleman: Emotionale Intelligenz. Er hat Anfang der 1990er Jahre mit seinem Buch "Emotionale Intelligenz" die Emotionen rehabilitiert. In Soziale Intelligenz zeigt er, dass unser Denken nicht im sozialen Vakuum stattfindet, sondern nur verständlich wird, wenn wir auch unser soziales Umfeld einbeziehen.

Richard H. Thaler und Cass R. Substein: Nudge – Wie man kluge Entscheidungen anstößt. In ihrem populären Buch zeigen sie, wie leicht  die Politik die Menschen zu klügeren Entscheidungen „anstupsen“ könnte, etwa im Bereich der Gesundheits- und Altersvorsorge. Der Verhaltensökonom Thaler hat 2017 den Wirtschafts-Nobelpreis erhalten.

Rolf Dobelli: Die Kunst des klaren Denkens und Die Kunst der richtigen Entscheidung. Die „Light-Version“ der von Kahneman etc erforschten Denkfehler. Leicht konsumierbar, mit klarem Management-Bezug und daher ein Beststeller. Ein guter Einstieg in die Verhaltensökonomie. 


Kommunikation

Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation. Die Methode der GFK hilft dir dabei, dein Gegenüber und dich selbst  im Moment der Kommunikation besser zu verstehen und Mißinterpretationen zu vermeiden. Durch den Fokus auf der Empathie für eigene und fremde Bedürfnisse ist GFK eine authentische Kommunikationsform und eine gute Methode, Konflikte zu lösen.

Joseph O‘Connor: NLP Workbook. Wer die Konzepte der Neuro-Linguistischen-Programmierung kennenlernen will, ist mit diesem Workbook gut bedient. NLP bietet viele Einsichten und Techniken zur Manipulation des Denkens durch Sprache und Kommunikation.  

Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden. Das  Standardwerk der Kommunikationspsychologie hat wahrscheinlich unzählige zwischenmenschliche Katastrophen verhindert. Oder zumindest im Nachhinein erklärt, warum das Gemeinte, das Gesagte, das Gehörte und das Verstandene oft so wenig miteinander zu tun haben.


Neurowissenschaften

Chris Frith: Wie unser Gehirn die Welt erschafft. Ein wirklich lesenswertes Buch über unsere Wahrnehmung, dabei auch noch mit einer schönen Prise britischen Humors gewürzt. Nachdem ich das Buch gelesen hatte, war mein Denken nicht mehr dasselbe wie vorher.

Joachim Bauer: Warum ich fühle, was du fühlst. Der renommierte deutsche Hirnforscher erklärt nicht nur die Wirkung der Spiegelneuronen, sondern auch, warum Empathie und andere Resonanz-Phänomene in Systemen eine so große Rolle spielen.

Frederic Vester: Denken, Lernen, Vergessen. Kann ein über 40 Jahre altes Buch über Hirnforschung noch aktuell sein? Wenn es so viel Erhellendes über das Lernen enthält wie dieses Buch vom Vater des „kybernetischen Denkens“ - unbedingt. Komplex, aber gut: Sein Buch Die Kunst vernetzt zu denken.


Websites

Die einfachste Art, Systemmodelle zu erstellen und spielerisch zu lernen ist das Online-Tool "Loopy" des wunderbaren Nicky Case. Nicky verpackt viele anspruchsvolle Themen in lustige, intelligente, kreative Online-Spiele. Guckst du hier.

Schöne Systemmodelle kann man auf kumu.io erstellen, einer Website, deren Macher sich auf Programme spezialisiert haben, mit denen sich komplexe Systeme  visualisieren lassen. Das ist in Sachen Usability, Optik, Geschäftsmodell und vom zugrundeliegenden Denken her zeitgemäßer als klassische Modellierungs-Software wie Vensim oder der iModeler, die allerdings auch ganz andere analytische Möglichkeiten bieten. 

The Systemsthinker.com veröffentlicht viele Papers zu den Arbeiten und Erkenntnissen der US-Systemdenker rund um Peter M. Senge und seiner Mitstreiter.

Meine Firma Qentinel macht auch sehr coole Sachen mit IT und Systemdenken. Wenn du Geschäftsprozesse mit Software automatisieren und verbessern willst, haben wir hier was Interessantes für dich.